Lehm – alter Baustoff wieder zeitgemäß

Baubiologie des Lehms

Das moderne Bauen ist in eine bauphysikalische Sackgasse geraten. Bauvorschriften führen zu abgekapselten Wohn- und Arbeitsräumen. Die Folge sind nasse Ecken, trockene Raumluft, Bäder die ohne gründliche Lüftung nicht trocknen. Gifte aus modernen Baustoffen und Pilze, die in der Feuchte gedeihen, strapazieren den Körper. Die gängige Bautechnik unterbindet jedoch die Atmung der Räume; aufwendige Zusatztechnik soll daraufhin die Atmung erzwingen; oft geschieht - wegen der Kosten - nicht einmal das. Baubiologische Untersuchungen haben die Fachleute zur Besinnung auf alte Bauprinzipien mit Lehm geradezu gedrängt. Mit Lehm lässt sich das Raumklima auf natürliche Weise erneuern. Einige seiner Eigenschaften:

  • Gute Wärmedämmung und Wärmespeicherung
  • Sehr gute Verträglichkeit mit dem Baustoff Holz
  • Nimmt Wasserdampf auf und gibt ihn wieder ab
  • Geringe allergene Belastung, keine Schadstoffe
  • Guter Schallschutz
  • Absorbiert Elektrosmog, auch von Händis


Aufgrund der geringeren Gleichgewichtsfeuchte hält der Lehm benachbartes Holz trocken und schützt es vor Insekten. Lehm ist leicht zu verarbeiten und zum Wärmeschutz gut geeignet. Zum Beispiel hat eine 36 cm dicke Stampflehmwand einen u-Wert von zirka 0,26. Preiswert ist Lehm außerdem.

Sein größter Vorteil liegt beim Raumklima. Räume, die von Lehmwänden umgeben sind, haben eine ständige Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent - in diesem Bereich fühlen wir uns am wohlsten. Nach dem Duschen sehen wir uns im Spiegel, so schnell wird die Feuchtigkeit absorbiert - und im Laufe des Tages wieder abgegeben. Und mit einer Wandheizung unter dem Lehmputz verbessern wir das Raumklima zusätzlich.

Wohnempfinden in der Lehmumgebung

Lehmputz im Inneren des Hauses kann, muss aber nicht nach altem Bauernhaus aussehen. Auch sorgfältig geglättet und mit Kaseïnfarben bemalt, bleibt seine natürliche Ausstrahlung erhalten. Lehmputz ist gut anzufassen und fühlt sich, selbst bei besonders glatter Putzausführung (zum Beispiel als Tadelakt), stets angenehm temperiert an. Es ist kein Zufall, dass Lehm bei Allergien und Atemwegserkrankungen das Leben erleichtert. Es häufen sich auch Berichte, dass Leute mit chronischen Schlafstörungen ruhigere Nächte verbringen.


[Auch mit Glas ist Lehm gut zu kombinieren]

Ökologie des Lehmbaus

Die energetische Bilanz der Verwendung von Lehm kann sich sehen lassen. Lehm ist mit geringem Aufwand örtlich verfügbar und bei Verarbeitung und Transport wird nur fünf bis zehn Prozent der Energie verbraucht, die bei Ziegeln oder Beton nötig sind. Lehm kann zu hundert Prozent wieder zum gleichen Baustoff verarbeitet werden. Und bei sachgemäßer Verarbeitung und Pflege halten Lehmbauten über Jahrhunderte; Lehm altert mit Würde.
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